Jahresbericht 2019

Der Jahresbericht von 2019 findet ihr hier als Pdf-Dokument.

Mittenmang Spaß am Spiel

Die wöchentlich wiederkehrende Form unserer Angebote auf den Kiezplätzen gehört ein Stück weit zur Lebensqualität für viele Familien in den Großstadtkiezen. Die Spielaktionen erfolgen auf Rasenflächen unabhängig von eigentlichen Spielflächen auf Kiezplätzen bzw. in kleinen Parks, die für Kinder und Familien gut erreichbar sind.

Der niedrigschwellige Zugang ermöglicht allen Kindern ausgiebiges Spiel mit viel Bewegung, verbunden mit Naturerlebnissen. Gestaltete Gruppenarbeit bringt Kinder unterschiedlicher Herkunft zusammen, fördert soziale Kontakte und trägt zur Ausbildung von Schlüsselkompetenzen bei.

Unsere Aktionen auf Grünflächen der dicht bebauten Altstadtviertel mildern das Defizit an Spielflächen und bringen Heiterkeit in den Kiez. Eltern erleben Kinder im Kreis ihrer Freunde, nehmen deren Entwicklungsstand vergleichend wahr und können selbst fördernd mitwirken, zugleich nutzen sie die ungezwungene Begegnungsform für den persönlichen Austausch.

Verbindliche Angebotstage in den grünen Oasen ermöglichen Hortgruppen in der ersten Nachmittagshälfte die Teilnahme ohne Voranmeldung. Kinder empfinden den gemeinsamen Spaß am Spiel als nachhaltiges Erlebnis und werden mit ihrem Lebensraum vertraut.

Gestaltete Angebote des Spielmobils wirken dem Mangel an altersgerechten Bewegungsmöglichkeiten großer Kinder im innerstädtischen Raum und damit verbundenen körperlichen Entwicklungsdefiziten entgegen. Bewegung, Spiel und Sport sind Ausdruck von Lebensfreude und Mittel der Entwicklungsförderung von Kindern. Spiel bietet ein eigenes Lernpotenzial, es schafft Sprachanlässe, weckt Emotionen und hilft Empathie zu stärken.

Im intensiven Spiel entwickeln Kinder Kräfte und Fähigkeiten, die über das Jetzt und Hier hinausgehen und ihren „Möglichkeitssinn“ fördern. Miteinander Utopien entwickeln macht Spaß, wie auch das Erkennen von Sinnhaftigkeit. Mit unseren wesenseigenen Mitteln bereiten wir für jede Woche thematisch gestaltete Spielaktionen vor, die über den Spaß hinaus der Wertevermittlung dienen.

Gemeinsames Spiel ist bestimmt durch eine Verständigung über die Regeln. Regeln zu ändern und sie im Spiel zu erproben, macht deren Wert deutlich. Fehlversuche werden „bildende“ Erlebnisse, sie führen vor, wie auch der Spaß nur über passende Regeln entsteht. Im freudvollen Miteinander des Spiels entwickeln sich Grundlagen für das Verhalten auch im späteren Leben. Kein Computerspiel wirkt so passend für ein demokratisches Verständnis wie das ungezwungene und erlebnisreiche Zusammensein der Kinder. Für eine nachhaltige Wirkung sind wir jede Woche am gleichen Tag auf den Stammplätzen, von Mitte März bis Ende Oktober.

Kinder finden Zugang und Verständnis von Zusammenhängen über den Umgang mit Dingen. Der Spielwagen ist dafür voll beladen. Neben fertigen Spielgeräten zur motorischen Förderung gibt es Material zum Bauen und Konstruieren, zum Anfassen und Probieren. Fingergeschick, Koordinationsvermögen und Gleichgewichtssinn werden geschult. Zu rätselhaften Dingen gehören spannende Geschichten. Werkzeuge und deren Handhabung werden mit entsprechendem Material erprobt. Der Natur kommen wir näher mit allerlei Gesammeltem, z.B. zum Bau von Figuren und Panorama zum Geschichtenspiel.

Aus Konstruktionsmaterial entstehen gemeinsam große Objekte, die eine neue Dimension ins Spiel bringen. Sie fordern zu körperlichen Leistungen heraus und schaffen Verständnis für mechanische Technik. Im Ergebnis der Arbeit spüren die Kinder ihre Kraft und Wirksamkeit. Sie erleben Anerkennung und Ausstrahlung auf andere. Aus dem selbstgebauten Haus heraus wird die Umgebung anders gesehen und neu bewertet. Mitunter wird das erste selbst gebaute Haus ein lebenslanges Maß. Haben weitere Gruppen gebaut, entstehen Beziehungen. Eine neue, spannende Herausforderung für alle.

Unsere Arbeit auf den Plätzen hat selbst eine bunte und wechselvolle Geschichte. In einer kleinen Ausstellung parallel zu unseren Einsätzen haben wir einige Ansätze der letzten 40 Jahre gezeigt. Auf der Wiese am Märchenbrunnen hatten wir mit breitem Angebot zu einem Spielfest am 24. August gemeinsam mit unseren KollegInnen aus Pankow eingeladen.

Am Anfang waren Hammer und Nagel

Ende der Siebziger Jahre organisierte in Friedrichshain ein Freundeskreis von Eltern an Wochenenden gelegentlich Spielaktionen für Kinder auf einem großen Hof, später auf der Wiese hinter dem Kino Kosmos. Erwachsene waren Partner der Kinder beim Bau von Höhlen und Hütten aus Zivilisationsmüll, Leisten und Werkzeug. Bei anderen Treffen bauten Kinder Flöten und musizierten gemeinsam, oder es entstanden Figuren aus Besen fürs Geschichtenspiel. Am Ende des Tages wurde manches entsorgt, bewährtes Spielmaterial im Keller der gastgebenden Familie verwahrt. Als ein Freund 1979 einen ausgedienten Möbelwagen entdeckte, passten alle Dinge in den nunmehr ersten SPIELWAGEN und es blühten tolle Ideen in der Gruppe.

Grundlegender Gedanke war, Kindern den Umgang mit Werkzeug und Material zu ermöglichen, Spielräume selbst zu schaffen und in spielerischer Weise untereinander Beziehungen einzugehen. Besonders intensiv gelang dies mit dem Stadtspiel.

Vormittags von den Kindern errichtete Häuser wurden nachmittags Orte eines aufeinander bezogenen Rollenspiels, mit dem Vorbild der Stadt. Die Gruppen wählten Abgeordnete, die ihre Häuser bei Zusammenkünften im Rathaus vertraten. Höhepunkte im Stadtleben wurden von ihnen zeitlich geordnet und wirkungsvoll bekannt gemacht. Das Rathaus vergab auch eigene Aufträge und wirkte wertschätzend für die Aktivitäten der Gruppen.

Wir entdeckten Spielaktionen als eine eigenständige, kulturvolle und ehrenamtlich
geführte Veranstaltungsform. Die Gruppe traf sich regelmäßig und entwickelte Zielstellungen. Zweimal im Monat erfolgten an Wochenenden ganztägig Angebote in Friedrichshain oder Prenzlauer Berg auf von uns ausgewählten und frühzeitig bei den Behörden beantragten grünen Plätzen.

Das Stadtspiel, ein Spiel von der gelingenden guten Gesellschaft, war in allen Jahren unsere wichtigste Aktion. Die Vielgestaltigkeit der Beziehungen der Gruppen und der Einzelnen im Spiel, die Freude und Ausgelassenheit, das Erleben von Selbstwirksamkeit, das Wachsen der Kinder mit den Aufgaben konnten wir unmittelbar erleben. Allerdings war der Aufwand zum Entnageln des Holzes nach einer Veranstaltung riesig für die dann verbliebene kleine Schar der Helfer. Entscheidend war, neue Techniken zum Bau der Häuser einzuführen, auch wenn Nageln ein elementares Bedürfnis von Kindern zu sein scheint. Andererseits gestalteten wir auch Spielaktionen, bei denen weniger gebaut wurde, wie das Zirkusspiel. Beim Scheesenrennen fertigten die Kindern mit uns aus Untergestellen alter Kinderwagen kleine Rennfahrzeuge, die sie anschließend mitnehmen durften. Die Freude und Begeisterung der Kinder gaben der Gruppe Kraft für immer neue eigenständige Veranstaltungen. Allerdings spürten wir auch die Begrenztheit unserer Wirkung, denn das Aktionsgebiet erstreckte sich zunächst über mehrere Bezirke. Ein bis zweimal im Jahr nur kamen wir auf dieselben Plätze. Andererseits war es ein Hobby, bei allem Enthusiasmus, mehr als zwei Wochenenden im Monat waren nicht leistbar. Zumal der Aufwand, den riesigen Möbelwagen nahe an der jeweiligen Spielwiese zu platzieren, mit dem wachsenden Autoaufkommen immer größer wurde.

Der SPIELWAGEN mit Deichsel

Die ideale Materialbasis schufen wir Anfang 1989 mit unseren eigens gebauten beiden Handwagen. Sie grenzten den Aktionsradius auf das dicht bebaute 1035er Altbaugebiet mit nur wenigen öffentlichen Spielplätzen ein. Nachhaltiges Wirken schien möglich. Die selbst entwickelten Wagen waren Transportmittel und zugleich Spielplattformen für darstellendes und technisches Spiel. Holzverbindungen erfolgten mit Schrauben, der Hammer wurde durch den Ringschlüssel ersetzt. Haselruten mit Bindetechnik dienten zum Bau von Tierplastiken oder eines Fachwerkhauses. Aus Stoff nähten wir Zeltelemente, die mit wenigen Knüppeln und Schnüren aufzustellen waren. Mit den Handwagen zogen wir direkt auf die Plätze und erreichten viele Kinder auch auf den großen, neu bezogenen Höfen an der Frankfurter Allee. Mit dem Bauspiel fanden sich die Kinder als Gruppe und entwickelten Ideen für das Rollenspiel in der Spielstadt.

Ähnlich ist es noch heute, aber die Aufenthaltsdauer der Kinder auf den Plätzen ist wesentlich kürzer. Wir suchten nach noch zügigeren Bauweisen. Bewährt haben sich altarähnliche Klapprahmen, deren Seiten durch einen Tisch stabilisiert werden. Neue Steckelemente in zwei verschiedenen Längen mit Zargen fügen Kinder zu bekletterbaren Gruppenhäusern mit Fensteröffnungen und Türen, ohne dass Schrauben nötig sind.

Im Interesse der Zeit für das Spielgeschehen reicht mitunter das Markieren der Grundrisse eines Hauses mit diesen Elementen und der Option, es später zu ergänzen.

Stadt als Spielthema

Im Stadtspiel ist die große Spielplane Mittelpunkt öffentlicher Aktivitäten der Häuser, für Ausrufer, für Auftritte, Versammlungen, Vorführungen und natürlich Spiele, motiviert durch die Funktion des jeweiligen Hauses. Grundlage für das Gelingen des gemeinsamen Erlebnisses sind Spielideen, die die jeweiligen Inhalte der Häuser tragen und Spaß machen. Alle Beteiligten sollen die Möglichkeit haben, das Leben der Stadt kreativ mitzugestalten, Aufmerksamkeit zu finden, gebraucht zu werden und die Beziehungen untereinander zu fördern. Entsprechende Ideen hatten wir vor Beginn der diesjährigen Saison in einem Konzept zahlreich zusammengetragen. Aufwändige Projekte wurden zu Gunsten der Angebotsbreite nicht realisiert.

Nach der Anmeldung im Rathaus konnten sich die Kinder im Jobcenter für einen Beruf entscheiden, erhielten die entsprechende Materialkiste und bauten ihr Haus oder konnten ein fertiges beziehen. Die Aktivitäten zwischen den Gruppen entwickelten sich entsprechend der Initiative der Kinder und wie es ihnen gelang, für ihr Angebot zu werben.

Die Friseurinnen, der Massagesalon, die Arztpraxis kamen mit ihrer Ausstattung zurecht und fanden ihr Publikum. Bäckerei und eine Küche hatten es schon schwerer. Mit weißer Schürze und Kopfbedeckung agierten die Kinder intensiv mit den Geräten. Die Besucher schauten interessiert dem Entstehen dekorativer Speisen zu. Zum Kosten waren die Mischungen aus Sand, Kräutern und Wasser natürlich nicht.

Mit hygienischem Hintergrund gab es an heißen Tagen oft die Limonaden-Bar mit dem Mix aus Mineralwasser und Vitaminsaft. Die Bücherei hatte ein zusammensteckbares Regal, in das die Betreiber Bücher sortierten. Vor der Tür gab es den Tisch für das Lesecafe. Vom Taxistand aus konnten Besucher sich mit Scheesen rund um die Stadt fahren lassen. Fleißig war die Stadtreinigung mit Handschuhen, Eimern und Greifzangen unterwegs. Mit einem Magnetstock wurden Kronkorken gesammelt. Spontane Interviews des TV-Teams mit Pappkamera und Quirl als Mikrofon sorgte für viel Wirbel.

Ein Spielgerüst, zunächst errichtet, um Ideen für Wettkampfspiele zwischen Haus-mannschaften per Wahl zu entscheiden, wurde von den Kindern in seiner eigentlichen Funktion bald erkannt und umfunktioniert. Es wurde Tribüne für Redner, die eine Bürgermeisterwahl forderten und sich dafür bewarben. Abgestimmt wurde mit dem Einwurf von Kienäpfeln in aufrecht stehende transparente Plastikrohre. Toll, wie die Kinder spontan Ziele formulieren konnten und den Gemeinsinn voranstellten. Oft siegten allerdings die, deren Altersgruppen bzw. Freundeskreise auf dem Platz am stärksten vertreten waren.

Bereichernd für das Stadtgetriebe wirkten die Querfunktionen des Rathauses, wie z.B. Belobigung der Arbeit mit Gutscheinen zum Besuch anderer Einrichtungen. Die Bauaufsicht
kontrollierte, ob mit dem Bau der Häuser Gefährdungen verbunden waren. In Gang gesetzt wurde das Geschehen im Rathaus durch unser kleines Team unter Leitung von Astrid Dulich. Erwachsene und Kinder steuerten gemeinsam vom Jobcenter und Baumarkt aus konkrete Vorhaben. In den Spielgruppen um die Häuser agierten die Kinder weitgehend selbständig.

Um das Stadtleben zu akzentuieren, waren für jede Woche extra Zielstellungen angesagt. So lebte die Wasserstadt durch den Fährbetrieb aus Rollbrettern zwischen zwei Stadthälften, den Bau von Wasserleitungen und Wasserspielen, wie den Wettlauf zum Aufhängen nasser Tücher. In der gesunden Stadt montierten die Betreiber des Fitnesscenters Transmissionsräder, über die die Besucher an Strippen wechselseitig Sandsäcke hochzogen.

Die Kinder im Rechenzentrum boten neben Spielen mit vielfältig visualisierten Zahlen für alle Altersgruppen ihre mechanischen Rechenmaschinen zur Nutzung an. Die Raketenbauer erforschten mit Besuchern effektive Abschusswinkel für Rampen mit dem Schnipsen von Papierkugeln. Im Museum der Merkwürdigkeiten stellten Besucher Vermutungen über die Herkunft und Funktion der Ausstellungsstücke an. Bei den Gleichgewichtsforschern waren verschiedene Waagen auszubalancieren. Knifflig wurde es, Astgabeln mit lustigem Clownsgesicht mit einer Punktberührung auf der Hand im Wind tanzen zu lassen. In der Wortspielbude errieten Kinder nach den pantomimischen Bewegungen der Zuschauer einen Begriff.

Spiele als Gleichnis

Bewegungsspiele erfolgen auf einer Plane von 6 x 8 Metern. Sie schützt den Rasen vor Übernutzung und bietet Bedingungen für das Spiel mit ganzem Körpereinsatz in vielen Facetten, mehr laut als leise, auf jeden Fall anziehend und mitreißend. Mit den Spielen entsteht eine ausgelassene und heitere Atmosphäre. Es sind Spiele, deren Regeln einfach zu vermitteln sind. Die Kinder lieben motorische Elemente wie das geschickte, wechselseitige und reaktionsschnelle Verhalten mit überraschenden Momenten. In Erwartung eines neuen gemeinsamen Erlebnisses steuern Kinder zielgerichtet zur Plane. Nach dem Schulalltag genießen sie sichtlich den Spaß an der Bewegung.

Die Zusammenstellung der Spiele geschieht in Bezug zum Wochenthema. Mitunter steigen Kinder bei hohen körperlichen Anforderungen aus, wo andere gerade ihre Belastungs-grenze suchen, wie beim Krebsfußball. Zwei Mannschaften bewegen sich barfuß in Rückhandstellung auf allen Vieren und spielen einen mittelgroßen Gymnastikball nur mit dem Fuß. Das Tor ist jeweils die sechs Meter breite Schmalseite.

Motivierend für den Einstieg wirken bei einigen Spielen die mit Kindern hergestellten kleinen Requisiten. Bei Fangspielen verdoppeln wir das Feld mit einer zweiten Plane. Der Kreis wird mit einem Rundseil oder durch kleine Matten markiert.

In Verschnaufpausen der emotionalen und heiteren Atmosphäre gewinnen wir Kinder zwischen den Spielen für einen Gedankenaustausch zu Themen, die sich z.B. aus formalen Elementen eines Spiels ableiten lassen. Aus dem gemeinsamen Erleben des Spiels heraus schaffen die Kinder mit ihren Äußerungen eine Gedankenbrücke. Schon die Regeln mancher Spiele lassen sich mit ihrem bildhaften Titel in Bezug zu Bewegungsformen in Natur und Gesellschaft einfacher erklären. Unsere abenteuerliche Sommerferienreise besteht aus miteinander verbundenen Regelspielen, verwoben mit Elementen eines Rollenspiels.

So kann mit dem Geschick zweier Teams beim Kettensammeln in Handfassung der Bezug zu Fleiß und Mühsal einer Ernte gezogen werden. Je mehr Teilnehmer mitmachen, um so größer der Spaß. Nur die Kinder am jeweiligen Ende haben eine Hand frei, um Früchte (Bierdeckel oder Kienäpfel) in den Korb zu sammeln. Beliebte Spiele zur Verteidigung von Kleinmaterial wiederum bieten die Möglichkeit, sich in die Lage von Kleinbauern anderer Kulturen zu versetzen, die ihr Getreide im Speicher gegen krabbelnde oder springende Insekten, schleichende Nagetiere, schwirrende Vögel oder hungrige Kinder geschickt zu verteidigen wissen. Die Spieler erfinden die Bewegungsarten der Angreifer und handeln miteinander Regeln aus. Fotos von kleinen Speichertürmen aus Lehm in heißen Ländern machen unser Anliegen deutlich und regen zum Gespräch in den Spielpausen im schattigen Zelt an. Das Jahrtausende alte umweltfreundliche Baumaterial zum Kneten und Formen selbst in die Hand zu nehmen unterstützt den Bezug noch mehr. Transport- und Marktspiele werden weitere Teile einer Spielkette mit spannender Geschichte. Der Spaß ist treibendes Element, entsteht eine Sinnhaftigkeit, wirkt auch sie motivierend. Nach unserer Aktionswoche zur Mülltrennung wünschte sich ein Mädchen zu ihrer Geburtstagsfeier mit den Gästen genau dieses Staffelspiel zu spielen.

Aktionsreiche Wassertransportspiele in den Sommerferien boten Gelegenheit,
mit dem Spaß auch ein wenig Weltgefühl miteinander zu spüren. Behutsames Balancieren der mit Wasser gefüllten Gipsbecher auf dem Kopf rund um das Zeltdorf nahmen die Kinder gern als Herausforderung an. Auch die aus Buchenholz geformten Jochs, die sich den Schultern zum Tragen zweier kleiner Litereimer gut anpassen, hatten für sie einen hohen Aufforderungswert. Das Füllen, Tragen und Entleeren verlangten ein abgestimmtes Handeln in der Gruppe. Mit dem Empfinden von Selbstwirksamkeit bei Geschicklichkeits-spielen entsteht auch eine Achtung der Alltagsarbeit.

Ehe ein Finale mit dem beliebtesten Spiel, «Wasserballons über die Schnur», begann, mussten die wabbligen Dinger einzeln auf einem Brett zwanzig Meter weit getragen werden, ohne sie zu berühren oder zu verlieren. Vier Teilnehmer jeder Mannschaft versuchten im Wettlauf schnell zu sein und zugleich das Objekt auszubalancieren. Das eigentliche Wurfspiel bedarf der großen Planen. Geworfen wird mit beiden Händen von unten nach oben über eine Schnur ins andere Feld. Dort versuchen die anderen den Ballon zu fangen. Fällt er zu Boden, ist es ein Punkt für die anderen. Auf der Plane gehen normale Ballons nicht gleich kaputt.

Analog dem überlebenswichtigen Schatz früherer Seefahrer schützten zwei Mannschaften bei der großen Schwammschlacht jeweils ihren Pappkarton mit Zwieback vor den nassen Geschossen der anderen. Welcher Karton weicht zuerst auf? Beim Knabbern des natürlich im Spielwagen trocken gelagerten Zwiebacks tauschten alle ihre Kenntnisse über die Seetüchtigkeit und die Welt aus. Auch hier ist es ratsam, auf zwei Planen von je 6x8m zu spielen, damit die vielen Schwämme sauber bleiben. Beide Mannschaften verfügen jeweils über einen großen Kessel mit Wasser.

Viele Kinder wissen um die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Im Spiel ist eine kleine Gruppe unter dem großen Spieltuch. Sie bildet die Fische, die mit heftigen Armbewegungen den Müll aus dem Meer schleudern. Alle anderen schwenken wellenartig das Tuch und bemühen sich ihrerseits, den Müll mit geschicktem Agieren auf dem Meer zu belassen. Über die traurige Wahrheit tauschen wir uns aus.

Das überkommene Klischee vom Ritter, der die Prinzessin schützt, kann man in dem beliebten Kreisspiel umkehren und nach dem Spiel zum kurzen Thema machen. Das gleiche Spiel kann man vom Sinn her ändern, indem ein Ranger ein von Wilderern bedrohtes Wildtier schützt.

Andere Spiele benötigen zuvor eine kleine Geschichte, die Kindern den Hintergrund verständlich macht. Die Pottwale wären ausgerottet, wenn nicht vor 170 Jahren die Fördertechnik für Erdöl erfunden worden wäre. Der berühmte Wal verteidigt sich geschickt mit seiner großen Schwanzflosse aus Schaumstoff gegen fünf Walfänger, die versuchen, ihn aus ihren Booten, in Schwimmringen auf dem Boden rutschend, heraus zuerst abzuschlagen. Die Moby-Dick-Geschichte ist sehr spannend, weil sich Analogien zu unseren Klimaproblemen anbietet.

Groß werden mit kleinen Aufgaben

Bei den Gleichgewichtsforschern legen zwei Kinder im Wechsel jeweils einen Baustein auf ein zwei Meter langes Brett, das über einem Rohr liegt. Ziel ist es, dass das Brett auf keiner Seite den Boden berührt. Die Spieler müssen abschätzen, wo der Stein abgelegt werden muss, um die Waage zu halten. Später folgt die Vorgabe, verschieden schwere Steine zu verwenden. Eine weitere Steigerung ist es, die vorgegebenen Felder auf dem Brett im
10-cm-Abstand zu beachten. Erst wenn jedes Feld besetzt ist, darf jeweils ein zweiter Stein folgen.

Spielaktionen bestehen aus Elementen, die aufeinander abgestimmt, Kindern unbewusst eine Entwicklung in kleinen Schritten ermöglichen. Regelspiele beginnen einfach, folgende Erschwernisse sind eine Herausforderung. In Kreisspielen mit dem Softball werden z.B. Werfen und Fangen spielerisch trainiert. Erst wenn der Ball mindestens dreifach abgegeben und gefangen wurde, darf versucht werden, ein Ziel in der Mitte zu treffen, z.B. eine Pyramide aus acht Büchsen. Ein Wächter schützt dieses Bauwerk. Die Kinder merken bald, besiegbar ist er nur, wenn das Abgeben untereinander schneller erfolgt, als der Wächter seine neue Position einnimmt. Unterhaltsam ist der Wechsel der verschiedenen Arten dieses Kreisspieles. Ist ein Kreisdurchmesser von sechs Metern gegeben, sind Wurf-, Fang- und Abwehrreaktionen am besten möglich.

Kinder reizen selbst gebaute Spielobjekte, wie die Spielhäuser mit Flachdach, auch zum Klettern, was das Rollenspiel der Gruppen in und um die Häuser mit einem aktivierenden Element bereichert. Anderseits verselbstständigt sich dieses Angebot bei Jüngeren, die anhaltend klettern und abspringen. Das angestrebte Rollenspiel der anderen kommt so zum Erliegen. Zudem müssen sichernde Matten ausgelegt und eine Aufsicht bereitgestellt werden. Wenn die Jüngeren den Platz zu einem Zeitpunkt dominieren und ein Haus besetzen, wird es ein gutes Angebot für ihren Bewegungsdrang.

Gefährdungen begegnen wir bei speziellen Klettereinheiten durch kräftiges Material und stabilisierende Schrägen. Diese Objekte bauen wir gemeinsam mit großen Kindern auf.
Einheiten mit jeweils anderen körperlichen Herausforderungen verbinden wir zu einem Parcours. Bei der Passage werden die Kinder individuell betreut und erhalten Vorschläge zur Leistungssteigerung. An schwierigen Abschnitten wie dem Barren ist es hilfreich, ihnen z.B. Bewegungsarten von Tieren vorzuschlagen. Mit diesen Gleichnissen motiviert, erproben sie ihre körperlichen Fähigkeiten und finden selbst Ideen für neue Trainings-einheiten.

Für das zweite Fahrzeug, das Kickmobil, haben wir über die Jahre eine Ausstattung entwickelt, die abwechslungsreich und kreativ das Spektrum aus Bauspiel und Bewegungsförderung verbindet. Einen Ansporn dieser Art spürten wir besonders vor
20 Jahren, als wir regelmäßig freitags auf den Zickenplatz zogen. Im Sandarial ohne Rasen und mit großer Kinderzahl kamen neben Regelspielen motorisch fördernde Angebote gerade recht. Jahr für Jahr hatten wir bei der Neuentwicklung der Großobjekte die Bedürfnisse der Kinder dieses Platzes im Auge. Inzwischen sind unsere Großspielgeräte und Parcours wichtiger Bestandteil für Spielaktionen mit großer Kinderzahl, wie in den Ferien, bei Schul-, Kiez- und Sportfesten im Bezirk.

Auch die thematischen Aktionen gewinnen zuweilen durch Großobjekte. In den Herbstferien mit sehr hoher Besucherzahl war die Ergänzung der «Eisenbahnerstadt» mit anspruchsvoll zu überquerenden Brücken, dem Überkopfklettern und der Hangelstrecke genau richtig. Die 28 Rollbretter waren auf der zweiteiligen Rundstrecke alle in Bewegung, so konnten die übrigen Kinder neben dem Containerkran ihr Körpergeschick an den handfesten Brücken trainieren. Signalwärter mit grünen und roten Bierdeckeln fanden sich an beiden Objekten sofort. Ein zehnjähriges Mädchen, das beim Hangeln mehrfach noch Hilfe benötigte, trainierte fast eine Stunde, bis es die drei Meter stolz allein absolvieren konnte.

Spaß, die körperlichen Fähigkeiten zu entwickeln, gelingt auf andere Weise auch mit Regelspielen auf der Plane. Reaktionsvermögen, Sprungkraft, Koordinationsvermögen und Schnelligkeit sind zugleich Spaßelemente bei angeleiteten Bewegungsspielen. Einfach zu vermittelnde Spiele gehen über zu komplexen Abläufen. Bei kooperativen Gruppenspielen müssen die Kinder in der Gruppe Strategien beraten.

Unsere Plätze

Montags im Görlitzer Park liegt unser Treffpunkt nahe der alten Bahnsteigkante. Die begrünte Schräge zur Spielwiese hin wird die Zuschauertribüne. Dort sitzen die Eltern, während wir auf der weit ausladenden Wiese mit Kindern spielen. Hart umkämpft ist der karge Schatten unter einer kleinen Robinie. Hortgruppen der Heinrich-Zille-Schule und der Rosa-Parks-Schule kommen regelmäßig. In den Ferien kommen Gruppen weiterer Kreuzberger Schulen. Für das Stadtspiel zeigten viele Kinder dauerhaft Interesse. Doch zur härtesten Konkurrenz für alle Angebote machen wir uns selbst auf der großen Ebene des Bahnsteigs mit unseren Geschicklichkeits- und Rennfahrzeugen. Oft wandern Jungen dorthin. Der Trinkwasseranschluss für Wasserspiele lag früher auf dem Gehweg seitlich der Zufahrt. Jetzt ziehen wir den Schlauch über die Mauer und die Görlitzer Straße hinweg, ohne jedoch den weit entfernten Anschluss am Steigrohr kontrollieren zu können. An allen Angebotstagen bei heißem Wetter waren hier die Wasserangebote besonders gefragt.

Nachdem die Hortgruppen gegangen sind, zieht es zahlreiche Familien auf den Platz. Allein kommen allerdings nur sehr wenige Kinder. Allerdings sind auffallend wenige Familien türkischer Abstammung im Park unterwegs.

Am Dienstag treffen wir uns mit Kindern und Familien im Kiez nahe dem S-Bahnhof Frankfurter Allee auf dem Traveplatz. Etwa 30 € hatten wir im zeitigen Frühjahr für Grassamen ausgegeben, auf dem Platz eingeharkt und mehrfach gewässert, in der Hoffnung, sein Grün zu verbessern. Der Platz wird intensiv genutzt. Der Altbaumbestand ist gut, wir finden sonnige und schattige Abschnitte für die Aktionen.

Mittwochs sind wir auf dem Petersburger Platz. Die Umfahrungen auf den Wegen rund um die beiden Rasenflächen sind ideal für die Rennfahrzeuge. Allerdings bietet nur die untere Wiese mit der großen Platane Schatten. Wir verteilen unsere Angebote gern über beide Flächen.

Von der stark befahrenen Hauptstraße nur durch die dicht bewachsene Buschreihe getrennt, hat der Platz dennoch eine wohlige Atmosphäre und wichtige Funktionen für beide Kieze an der Petersburger Straße. Hortgruppen der Hausburgschule und der evangelischen Schule kommen regelmäßig, die Liebigsschule in den Ferien.

Ein Prachtstück mit Blumenhorizont rund um den Fontänenteich und mit den Starkbäumen ist die Weberwiese. Für unser Angebot an Donnerstagen sind die sauberen Rasenflächen bestens geeignet. Da der Platz nur wenige Meter vom U-Bahnausgang entfernt ist, nutzen clevere Erzieher von anderswo mit Gruppen gelegentlich unsere Angebote. Wir können unsere Spielbereiche dort weit auseinanderziehen, sanfte Hanglagen eignen sich für die Wasserrutsche. Nach dem Besuch der Hortgruppen finden Familien rund um unsere Angebote ausreichend Platz. In den Sommerferien holen Eltern der Kreativitätsschule ihre Kinder von der Wiese aus ab bzw. verweilen noch.

Dank der Neugestaltung der Rasenfläche finden unsere Angebote auf dem Boxhagener Platz wieder viel Zuspruch. Ist die Plansche nicht in Betrieb, bieten wir im Beckenbereich Geschicklichkeitsfahrzeuge und Rollbretter an. Rund herum drehen Kinder mit den schnellen Fahrzeuge ihre Runden. Seitlich auf dem Weg zwischen Spielplatz und Plansche ist der geeignete Ort für einen Parcours. Auf der Wiese richten wir links das Erfahrungs- und Bewegungsfeld ein. Rechts ist dann Platz für die Plane für Regelspiele und wechselnde Spielmittel. Das generelle Angebot unterscheidet sich von dem, was wir dienstags auf dem Traveplatz anbieten, da wir in der Regel mit dem Kickmobil zum Boxi kommen. Dominant ist ein Großobjekt, um Bedürfnissen der oberen Altersgruppe zu entsprechen.

Für den Hohenstaufenplatz bereiten wir vor allem Angebote vor die sich für den Sand besonders eignen. Dazu zählen neben Großgeräten, unsere Sprungböcke, der Schrägkisten-Parcours u.ä. Für Regelspiele nutzen wir die wenigen Flächen mit Naturboden, um die Spielplane mit Zeltheringen im Boden befestigen zu können. Hortgruppen der islamischen Grundschule sind regelmäßig auf dem Platz, andere Gruppen kommen gelegentlich. An warmen Sommertagen ist die Aufenthaltsdauer vieler Familien recht ausgedehnt. Die Eltern wissen die Kinder bei uns in guter Obhut. Kinder, die unsere Angebote wenig oder nicht nutzen, sprechen wir gezielt an. Wir helfen ihnen bei schwierigen Passagen und machen ihnen Mut für immer neue Starts. Hatten wir ihr Vertrauen erworben, wurden sie regelmäßige Gäste und wir unterstützten sie weiter.

Unsere über drei Jahre währenden Einsätze donnerstags auf dem Spielplatz Blumenstraße beendeten wir am 31. Oktober. Die ersten Kinder der Blumengrundschule bauten Großobjekte mit auf und hatten Freude bei der Nutzung, zeigten Ausdauer und Willenskraft an schwierigen Stellen. Bis kurz vor 16.00 Uhr war stets Hochbetrieb. Meist bauten wir zwei Anlagen, um dem großen Andrang gerecht zu werden. Auch auf der Rundstrecke herrschte Hochbetrieb mit den Scheesen. Der Mulchbereich war bestens geeignet für die rotierenden Geräte des Erfahrungs- und Bewegungsfeldes. Die kleine Wiese war Ort für Regelspiele. Weitere Spielmittel hatten wir dem passenden Grün zugeordnet. Nach 16.00 Uhr kamen an Tagen mit gutem Wetter etwa noch zehn bis zwölf Familien.

Das kleine Wiesendreieck, idyllisch gelegen zwischen Beton und antiken Säulen auf dem Theodor-Wolf-Platz, war von Mitte August an dienstags ein weiteres Angebot. Wir gingen auf Kinder, Familien und Jugendliche zu, die sich in den Randbereichen des Platzes aufhielten und machten ihnen Vorschläge fürs gemeinsame Spiel auf der Wiese. Zudem warben wir mit einem farbigen Banner mit unserem Logo, denn den Spielwagen selbst konnten wir bisher nicht am Platz direkt parken. Mit dem Nötigsten an Geräten gelang es über alle Angebotstage eine regelmäßig kommende spielbegeisterte Gemeinde zu bilden.
In Zukunft hoffen wir doch noch Schlüssel zu erhalten, um den Poller an der Zufahrt von der Wilhelmstraße öffnen zu können. Der Spielwagen direkt am Platz selbst ist auf Dauer auch die wichtigste Werbung für unser Angebot.

Der Schülerclub

Der Club ist Treffpunkt vor allem von großen Kindern, deren Schulwege sich getrennt haben. Sie finden sich zusammen, um sich auszutauschen und aufzuwärmen vor dem nächsten Stadtgang. Wir konnten sie auch für Gruppenspiele aus dem Konzept der Rauf- und Rangelspiele auf Judomatten im Bewegungsraum begeistern. Der große gesellige Tisch im Kreativraum wurde von den Großen eher gemieden. Nur die Jüngeren ließen sich auf Gesellschaftsspiele, Kreativangebote oder Näharbeiten am Tisch ein.

Das änderte sich schlagartig, als die Großen selbst ein aktionsreiches und alle packendes Rollenspiel einführten. Je mehr Spieler um den Tisch saßen, desto so spannender wurde der Spielverlauf Tag für Tag. Waren nur wenige Teilnehmer da, wurde per Handy heftig Zuwachs geordert. Dazu gehörten natürlich Tobepausen draußen im Karee, mit dem beliebten Blockfangen. In einem ausgewählten streng begrenzten Bereich, mit beiden Spielplätzen in der Mitte, können sich im Schutz der Dunkelheit alle verstecken, ehe ein Fänger auf die Suche geht.

Ab November hat der Schülerclub nun regelmäßig auch sonnabends geöffnet. Dieses Angebot findet in der Altersgruppe viel Zuspruch. Umfängliche Umbauten in den Räumen erfolgten mit dem Ziel die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Spielhäuser werden von den Kindern als kuschelige Rückzugsorte aufgebaut.

Den Mittelraum mit seinen vielen Bewegungselementen an den Wänden und Decken nutzen ansonsten alle Besucher gern. An der Decke , an den Wänden oder auf dem Holzboden machen wir aktionsreiche Angebote. Es stehen kaum Geräte im Raum, alle 36 Quadratmeter stehen aktionsreich zur Verfügung. Matten unterschiedlicher Art können ausgelegt werden oder dienen seitlich als Puffer für Rollbrettspiele.

Im Kreativraum entstanden Spielmittel für den Sommer aus Holz. Große Tücher als Dächer der Häuser wurden genäht und bemalt. Für ein neues Zirkuszelt bemalten Kinder lange Stoffbänder mit Blumen. Der vier Meter lange Kletterstab, gehalten von 16 Schnüren, wird mit den bunten Bändern mehrfach umschlungen. Befestigt werden sie mit Wäscheklammern. Die Kinder schaffen auf Freiflächen so ihren Aktionsraum selbst.

Bei Zusammenkünften wird am Tisch häufig in kleinem Umfang Gemüse geschnitten und gemeinsam gekostet, um die Kinder an eine gesunde Ernährung heranzuführen. In der Küche kann zudem in kleiner Gruppe gekocht werden.

Finanzierung

Nach dem Angleichen der Vergütungen im vergangenen Jahr an den TVL hatten wir uns vorgenommen, die Kosten so zu verteilen, dass mit der durchschnittlichen Reduzierung von Lohn und Arbeitszeit von 25 % im Winter erstmals ein tarifmäßiges Weihnachtsgeld gezahlt werden kann. Möglich war der Finanzplan mit einem hohen Anteil von Eigenmitteln und absehbaren Spenden. Mehrfach haben wir dennoch umkalkuliert. Die zunächst geplanten Mittel für Minijobs wurde zu Gunsten von disponibel einsetzbaren Honorarkräften genutzt. Damit konnte die erwünschte Breite des Stadtspiels an allen Tagen gesichert werden. Auch die in allen Ferienmonaten erfolgte lange Angebotszeit von 9.00 bis 18.30 Uhr war so am besten gewährleistet. Sonderveranstaltungen wie Schulfeste und zahlreiche Einsätze an Wochenenden mussten personell so abgesichert werden, dass mindestens eine Fachkraft anwesend war.

In der zweiten Jahreshälfte betreuten wir jede Woche an drei Wochentagen zugleich zwei Plätze! Dies wurde eine große logistische Herausforderung.

Extras, dank der Spenden

Haben Kinder ihre Großeltern zu Gast, dann führen sie sie auch zu ihrem Lieblingsspiel-platz oder zu unserem Angebot. Dort zeigen sie gern ihr Können an den Geräten des Erfahrungs- und Bewegungsfeldes. Einem Großvater, Herrn Wilhelm, danken wir hiermit das dritte Jahr für seine Spenden, in diesem Jahr in Höhe von 1.440 €. Bei Familie Riedel, deren Hochzeitsgäste vor zwei Jahren feierten und für unseren Verein großzügig spendeten, bedanken wir uns in diesem Jahr recht herzlich für eine Spende von 250 €.

Beide Fahrzeuge beladen wir jede Woche mit Spielmitteln für unterschiedlichste Herausforderungen für die Kinder. Das bei Großen so beliebte Rhönrad braucht allerdings viel Ladefläche und eine extra Betreuung – also eine Honorarkraft über den Spendenfonds. Wenn es denn mal reinpasste in den Spielwagen. An den heißen Tagen kamen viele Kinder und Familien in Erwartung toller Wasserspiele, vor allem aber wegen der 12,5 m langen Wasserrutsche. Auch hier ist es notwendig, mindestens einen zusätzlichen Helfer oder Helferin zur Betreuung zu haben. Denn auch die übrige Wasserausstattung mit Wasserturm, Leitungen und Untergestellen machte viel Arbeit.

Die fast garantierte Spendesumme der MB-Arena von 5.000 € hatte es uns leicht gemacht, von Beginn des Jahres an gut zu wirtschaften. Für unser Stadtspiel hatten wir im Winter viele Bauspielteile neu geschaffen und mit Kindern bemalt. Zuvor wurde experimentiert, z.B. farbiger Lack mit Zement gemischt, um bunte Kreidetafeln herzustellen, die zugleich Wände oder Dächer der Häuser sein konnten.

Der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann unterstützte uns nach einer Ausschreibung mit 400 € aus einem Fonds. Dafür machten wir auf dem Familienfest am Traveplatz am 31. August viele Spielangebote. Bei unseren Vereinsmitgliedern Antje von Broock und Birgit Lacheiner bedanken wir uns herzlich für Spenden von 35 € bzw. 50 €.

Das Drachenfest fand dieses Jahr erst im Oktober auf beiden Spielplätzen der Schreinerstraße mit zahlreichen Spielstationen statt. Engagiert haben sich einige Anwohner beim Kuchenbasar. Fünfzehn Kuchen wurden gebacken und fanden schnell Käufer. Die Erlöse von 230,70 € dienten der Finanzierung des Kulturprogramms. Mit dem Verkauf des letzten Kuchenstücks um 15.45 Uhr begann die Musik.

Mittwochs wird unser Angebot auf dem Petersburger Platz auch von Kindern der evangelischen Schule Friedrichshain regelmäßig besucht. Der Förderverein übergab uns dankenswerter Weise dafür eine Spende von 300,-€.

Absolut überrascht hat uns bei der feierlichen Übergabe vor allen Kindern auf dem Hof der Schule am Traveplatz das Ergebnis des Spendenlaufes aller Schüler rund um den Platz. Wir erhielten die Hälfte des Erlöses, einen Betrag von 6711,09 €. Die andere Hälfte dient der Ausstattung der Schulbibliothek. Wir werden viele wintergemäße Extras mit Bewegung und Mutproben in der Turnhalle und auf dem Traveplatz anbieten. Besonderheiten wie das Rhönrad und das Riesenrad kommen gut betreut zum Einsatz.

Dankbar am Jahresende sind wir gleichfalls dem Verein gegen Verarmung für eine Spende von 1300,- € für die künftige Arbeit mit dem Versprechen etwas mehr Musik auf die Plätze zu bringen.

Der Verein als Träger

Wir sind ein kleiner Haufen, mit dem klaren Ziel, einen Beitrag zum gemeinschaftlichen Leben in der Stadt zu leisten. Täglich entsteht mit Kindern ein großes «Kinderzimmer». Alle haben Zutritt. Für viele ist es ein Erholungs- und Forschungszentrum, die Kinder untersuchen und probieren, vieles wird nicht fertig. Aber wir bringen etwas auf den Weg: den Willen der Kinder zu handeln, zu gestalten, etwas zu ändern. Sie probieren sich aus und werden mutig. Im Verein entwickeln wir Spielformen, die vor allem Kindern im Schulalter in ihrer Entwicklung förderlich sind.

Liebe Eltern, vielen Dank für Ihre Hilfe beim täglichen Einräumen. Die Gewissheit Ihrer Hilfe macht uns Mut, den Spielwagen vielfältig zu beladen. Die Zeit, die Kinder auf den Plätzen verbringen, wird zunehmend geringer. Die Erlebnisse in diesem Alter können sehr prägend sein. Machen Sie Ihren Kindern Mut, unsere Angebote auch selbstständig oder mit Freunden zu besuchen. Gern gehen wir auch auf Wünsche der Kinder z.B. für ein Spielthema oder für Experimente ein.

Vorn haben wir kurz unsere Anfänge geschildert. Wie war das aber zur Wendezeit?
Im November 89 verabschiedeten sich die Jugendlichen, die im gleichen Frühjahr die beiden Handwagen gebaut und auf die Plätze gezogen hatten.

Stabile Stahlgerüste, die Unterbauten mit Achsen und Lenkung, hatten wir mit splitterarmem Buchenholz verkleidet und lackiert. Allein die Wagen waren schwer, sie sollten das Toben und Tanzen von einem Dutzend Kindern aushalten und nicht umkippen. Sie vor einem Einsatz zu beladen und zu ziehen bedurfte es einer starken und stabilen Gruppe, erst recht für die eigentliche Spielaktion mit vielen Kindern.

Nun blieben die Jugendlichen im November 89 weg, unser Konzept schien höchst überflüssig und aus der Zeit. Eine neue Konsumwelt brach über die Familien herein. Aber es kamen Eltern, die unsere Arbeit toll fanden und in der allgemeinen Aufbruchsstimmung selbst einen Beitrag leisten wollten. Unser pädagogischer Ansatz und die Ausrüstung passten genau. Das Stadtspiel gehörte besonders in die Zeit und führte auch die neuen Helfer zusammen, wie schon das gemeinsame Ziehen der Wagen. Unsere Spielaktionen standen unversehens im Kontext von tagespolitischen Ereignissen. Im April 1991 gründeten wir endlich auch formal den Verein.

In den beiden Jahren nach der Wende waren wir eine starke Gruppe auf den Plätzen. Mit der hohen Arbeitslosenrate allerdings sank die Motivation für eine unbezahlte ehrenamtliche Arbeit. Zugleich erlebten wir das Aufblühen professionell betriebener neuer Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit. Im Vergleich erkannten wir unseren Stellenwert und erhielten ab Februar 1992 eine feste Stelle mit der Auflage einer begleitenden Ausbildung zum Erzieher und Spielleiter. Über viele Jahre gelang es neben den regelmäßigen Einsätzen auf den Plätzen, weiterhin breit strukturierte Spielaktionen am Wochenende mit ehrenamtlichen Helfern zu gestalten.

Das Team

Wir verfügen als anerkannter Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit nunmehr über eine solide finanzielle Basis und suchen für 2020 ab März noch eine begeisterte Mitstreiterin oder einen Mitanstifter. Das kleine Team aus erfahren SozialpädagogInnen und ErzieherInnen bereitet aus der Winterarbeit im Schülerclub heraus neue Spielaktionen vor. Um den eigenen familiären Verpflichtungen nachkommen zu können, arbeiten die bisherigen KollegInnen zum Teil verkürzt nur drei Tage.

Mit den vielfältigen gut vorbereiteten Angeboten für die Platzarbeit entwickeln sich auch die spielpädagogischen Kompetenzen aller MitarbeiterInnen. Entscheidende Impulse für neue Ideen kommen oft von Kindern aus der Gruppenarbeit heraus. Wichtig ist über längere Zeiträume hinweg spielpädagogische Herangehensweisen bewusst zu entwickeln.

Der Austausch über spezifische Ansätze mit unseren KollegInnen bundesweit ist hilfreich. Die Treffen der Fachgremien im Bezirk können wir mit unseren unmittelbaren Kenntnissen von den Plätzen her bereichern bzw. Impulse von KollegInnen der festen Einrichtungen empfangen.

Die Vielgestaltigkeit unserer Aufgaben steuert Projektleiterin Astrid Dulich, sie ist ausgebildete Sozialpädagogin. Als ihr Sohn noch nicht geboren war, fing sie bei uns an. Jetzt ist er genau im Alter unserer eigentlichen Zielgruppe, zehn Jahre. Das Stadtspiel lenkt sie mit einer Kindergruppe vom Rathaus aus. Für alle denkbaren Häuser hat sie Logos auf Plaketten entwickelt, die Kinder im Spiel stolz an Bändern um den Hals tragen. Im Schülerclub begeistert sie Kinder für neue Tischspiele und stiftet im Bewegungsraum die Abhänger zu turbulenten Bewegungsspielen an.

Jens Klein-Bösing vervollkommnet seine musikalischen Kenntnisse und Fähigkeiten mit einer begleitenden Ausbildung zum Musikpädagogen. Sein Lieblingsort auf den Plätzen ist die große Folie für angeleitete Bewegungsspiele. Jens ist gelernter Tischler und diplomierter Sozialpädagoge. Das Einpacken der Spielmittel zum Feierabend übernimmt er gern allein, um alles sorgfältig im Spielwagen unterzubringen.

Sonja Schulz begeistert in ihrer offenen und heiteren Art Kinder schnell für neue Spielideen.

Eine kleine Handnähmaschine auf der Wiese ohne Tisch wurde dieses Jahr innerhalb des Stadtspiels ein Anziehungspunkt. Jeder durfte mal rattern und ein kleines Täschchen nähen. Sie ist ausgebildete Erzieherin und Schneiderin.

Tobias Geßner ist Sozialpädagoge und hat zwei Kinder. Gern modelliert er kleine und große Parcours mit Kindern, immer auf Abwechslung bedacht, um Kindern immer wieder neue Anregungen zu bieten. In den Sommerferien gestaltet er das Zelt der Regenwald-Indianer.

Für den Vorstand

Volker Hedemann