Jahresbericht 2016

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Bewegungsförderung mit spielerischen Mitteln

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Arbeitswelt und Traumberuf

Im Erfahrungs- und Bewegungsfeld finden die Kinder an allen Einsatztagen vielfältige Möglichkeiten, ihre körperlichen Fähigkeiten auszutesten und zu erweitern. Wir regen sie an, die Schwierigkeitsgrade besonders herausfordernder Geräte zu erkennen und sich Zielstellungen zur Verbesserung ihrer Motorik vorzunehmen.
Eine Reihe neuer anspruchsvoller Geräte hatten wir im Schülerclub während der Winterzeit mit Kindern entwickelt und mit Spannung deren Dauereinsatz erwartet. Balancierrollen aus Rundhölzern und Kinderwagenrädern haben die Saison gut überstanden. Ihren eigentlichen Zweck, auch in der größeren Ausführung, müssen wir allerdings häufig neu erläutern, da die Rollen gern als Hocker dienen.

Die neue Knüppelbrücke ohne Geländer forderte die Geschicklichkeit von Kindern aller Altersgruppen heraus. Die an zwei Bambusstangen aufgehängten Knüppel befinden sich kurz über dem Boden, so dass keine Verletzungsgefahr besteht. Damit alle die drei Meter lange Passage erfolgreich bewältigen, sind einige der schaukelnden Elemente trittfester aus Astgabeln an drei Punkten aufgehängt. Die tragenden Stangen stecken an den Enden in Bohrungen zweier Kisten im Abstand von 60 cm. Um häufig neue Impulse zu setzen, änderten wir die Zusammenstellung des Feldes von Woche zu Woche.

Alle gestalteten und durchgängig betreuten Wochenthemen enthielten dem jeweiligen Spielansatz gemäß vielfältige Bewegungsangebote durch die ideenreiche Verknüpfung von Regel- und Geschicklichkeitsspielen auf der großen Bodenplane. Dies ist täglich das eigentliche Aktionszentrum für Gruppenspiele, gut angenommen und von Kindern nach jeder kleinen Pause immer wieder eingefordert. Für einige Spielaktionen haben wir den Themen entsprechend und nach Wünschen der Kinder spezielle Spielmittel entwickelt, über die Bewegungsangebote das Rollenspiel unterstützt. Über das Wochenthema hinaus ergänzen wir mit solchen Einheiten das Erfahrungs- und Bewegungsfeld. So konnten wir den Parcours der gepolsterten Sprungkisten häufig mit der neuen Gebirgs-Kaskade ergänzen.

Für viele Kinder sind unsere Geschicklichkeitsfahrzeuge besonders anziehend. Es handelt sich um hochwertige und langlebige Geräte, deren Nutzung viel Ausdauer und Geduld verlangt. Wie sehr Kinder enttäuscht waren, wenn sie durch Diebstahl nicht mehr zur Verfügung standen, mussten wir in diesem Jahr leider häufig erleben. Mit Hilfe der Spendenmittel bemühten wir uns Balanceräder, Twister und Swingcarts zu ersetzen.

Sommerthema „Arbeitswelt und Traumberuf“

Kindern neben ausgelassenem Bewegen intensives Spiel und Gestalten zu ermöglichen, schulisches Wissen praktisch anzuwenden, einfache Prozesse in Natur und Gesellschaft zu verstehen, sich im Rollenspiel auszuprobieren und der Phantasie freien Lauf zu lassen – alles in richtiger Dosierung macht eine gute Spielaktion aus. Die erweiterte finanzielle Förderung des Bezirkes in diesem Jahr mit einer dritten Teilzeitstelle bot die Möglichkeit, ein breiter strukturiertes Angebot zu machen. Jeder Spielleiter konnte einen Sektor besonders ausbauen und neue spielerische Kompetenzen entwickeln. Die Kinder fanden jede Woche ihren Spielleiter am vertrauten Platz mit fortführenden Ideen wieder.

Mit spielerischen Formen gestalteten wir jede Woche breit strukturierte und unterhaltsame Angebote zum Thema Arbeitswelt. Während es um handfeste Aktivitäten an der Station „Berufsschule“ ging, waren die Kinder im Haus der Naturforscher, im Musikhaus oder auf der großen Plane beim Geschichtenspiel in spielerische Aktivitäten einbezogen, die im erweiterten Sinne mit der jeweiligen Berufsgruppe zu tun hatten. Während z.B. die Teilnehmer in einer Geschichte mehrfach Lösungen suchten, durch kooperatives Verhalten Hindernisse zu überwinden, probierten die Brückenbauer, aus Holzbausteinen Bögen zu konstruieren, die sie selbst durchqueren konnten. Später montierten sie eine weit ausladende stabile Brücke zum Hangeln aus Bambusstäben für alle Kinder. Darunter fingen wiederum die Naturforscher während ihrer Spielgeschichte merkwürdige, sehr seltsame Tiere.

Die ersten Kinder errichteten mit dem jeweiligen Spielleiter Häuser als Spielstationen. Sie erlebten, wie durch gemeinsames Wirken Stabilität entsteht. Markante Bauteile der Häuser waren von Kindern mit Motiven gemäß der Hausfunktionen bemalt worden. Die Kon-struktion erlaubte den zügigen Aufbau und bot schattigen Platz für eine Gruppe. Die mit Schulmalfarben gestrichenen und niedrig gehaltenen Dächer von Musikhaus und Haus der Naturforscher konnten Kinder mit Kreide bemalen.

Die Berufsschule erhielt ihr Gepräge durch Dachziegel aus 4mm-Sperrholz. Darauf hatten sich Kinder in ihrem jeweiligen Traumberuf gemalt. Diese ausdrucksvolle Galerie regte den Austausch der Kinder über eigene Berufswünsche an. Nicht jedem fiel es leicht, Lebensziele voreinander zu äußern. Im Laufe der Aktion ermutigten wir sie, eigene Vorstellungen zu festigen und verwiesen auf Anforderungen und Fertigkeiten.

Im Vorfeld hatten wir Konzepte entwickelt, mit denen jede Woche erlebnisreich und unterhaltsam Bezüge zur Arbeitswelt mit den verschiedenen spielerischen Mitteln möglich schienen. Die Auswahl und Gestaltung der Wochenthemen war letztlich bestimmt durch die Äußerungen der Kinder über ihre Traumberufe. Wir verfeinerten die Angebote und entwickelten weitere Ansätze. So bauten wir mit den „Stuntmen“ einen Sprung-Parcours und erfanden als neuen Schwierigkeitsgrad den Reckschwung von Kiste zu Kiste. Für das Ferienprogramm entstand nach Ideen der Kinder in mühevoller Kleinarbeit ein weiteres Parcourselement, die achteilige „Gebirgs-Kaskade“ auf stabil befestigten Röhren mit Polsterdeckeln in unterschiedlichen Höhen im Abstand von 80 cm.

Den Problemen der Bewohner im Kiez folgte unser Vorschlag, Kinder als Stadtplaner und Bauleute sowie Gärtner und Umweltforscher über das richtige Verhältnis von Stadtgrün und dem Bedarf nach mehr Wohnraum debattieren zu lassen. Sie fertigten Hausmodelle, stellten sie als Quartiere auf und entdeckten, wie geeignet Hochhäuser zur Problemlösung beitragen können.
Um die Wechselwirkung von Natur und Schönheit ging es den Modeschöpfern beim Kartoffeldruck auf weißem Fließstoff. Sie fanden Kriterien, einfache Formen grafisch zu ordnen. Die abschließende Modenschau fand viel Beachtung, klangvoll untermalt vom Platzorchester.

Wo immer sich sinnreich Querverbindungen von der kindlichen Erfahrungswelt her anboten, nutzen wir sie für das Spiel auch zwischen den Gruppen. So stand der Frosch bei den Naturforschern als Meisterspringer im Mittelpunkt, während in der Berufsschule von der beeindruckenden Sprungkraft des Tieres Hebelforscher ihre Überlegungen zum Bau eines Kranes anstellten, bevor er sich drehte und Lasten hob. Im Geschichtenspiel von Ronja Räubertochter nutzte sie deren Sprünge, die Erwachsenenwelt zu erkunden.

Beim Krankenhausspiel linderten frische Kräuter der Apotheke im Haus der Naturforscher die Schmerzen der Patienten. Auf Rezept der Ärzte hin halfen die Bewegungsheiler auf ihre Weise. Am Ende nahmen viele Kinder kleine Sträuße der ihnen nun vertrauten Wildkräuter mit.

Handfest mussten die Angebote der Arbeitswelt für große Kinder schon sein. Werkzeug und Material sollte von vielen genutzt werden können und die Erzeugnisse den Wert eigener Leistung wiedergeben. So lernten die Kinder in der Woche der Holzberufe mit Stechbeitel und Holzhammer umzugehen und Rahmenleisten mittels Dübeln zu verbinden.
In größere Brettstücke gut verteilt 100 Nägel einzuschlagen, machte der Gruppe viel Spaß. Anschließend bestand die Herausforderung darin, Einweckgummis zwischen den Nägeln so zu spannen, dass eine weit verzweigte Murmelbahn entstand. Zeitweilig diente eines dieser 100er Bretter der Demonstration von Bruch- und Prozentrechnung durch gezielte Abtrennung einiger Teile mit den Gummis. Großobjekte entstanden in gemeinschaftlichem Wirken und konnten auch von den übrigen Kindern genutzt werden. Die Erbauer erlebten die Sinnhaftigkeit ihres Tuns durch die Wertschätzung der anderen.

Altertumsforscher und Kfz-Schlosser in einem waren die Kinder als Monteure antiker Streitwagen. Nach dem Betrachten historischer Abbildungen der Fahrzeuge vergangener Kulturen begann die praktische Tätigkeit, der am Ende die Probe- und spannende Wettfahrten mit Mannschaften der einzelnen Stationen folgten.

Um Zahlenspaß ging es bei Spielen und Experimenten im Zusammenhang mit den Herausforderungen bei neuen Berufen. Bunt bemalte Roboter wurden für alle nur denkbaren Tätigkeiten beim Geschichtenspiel erprobt. Auf einer Riesentastatur aus Sperrholz antworteten beim Quiz zwei Kinder mit wechselseitigem Hüpfen auf Buchstaben auf die Fragen. Die Wirkungsweise von Microchips demonstrierten Kinder einander beim Null- und Eins-codierten Parcours auf kleinen Plättchen quer über die Wiese.
Gute Orientierung, Geschicklichkeit und Schnelligkeit waren auch bei Mannschaftsspielen in der Woche der Post gefragt.

Achtung und Wertschätzung der Arbeit spielten auch im Szenenspiel ausgewählter Märchen eine Rolle. Neben dem Spaß entdeckten die Kinder das Gleichnishafte bei Regelspielen in Beziehung zur Arbeitswelt. Um dieses Angebot auf großer Spielplane hatte sich bald eine Stammgruppe gebildet. Das Szenenspiel half Kindern ihren Wortschatz zu erweitern, ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, sich in das Verhalten der Figuren hineinzuversetzen und eigenen Ausdruck zu verleihen.

Elementare Erfahrungen der Kinder mit Werkzeug und Material bestimmten jede Woche in anderer Form die jeweilige Aktion. Klangexperimente im Musikhaus waren so gestaltet, dass Kinder mit von ihnen erfundenen Tonfolgen aufeinander reagierten. Wie die einfache Sequenz von anderen übernommen oder auch variiert wurde, war für viele eine Entdeckung und führte zu bewussten Formen des Gestaltens und Zusammenspiels. Der Klangteppich unterstützte die heitere und kreative Atmosphäre auf der Wiese. Viele der Mädchen hatten als Traumberuf Sängerin angeben. Jede Woche wurde im Musikhaus eine Zeitlang gemeinsam gesungen, auf der Gitarre begleitet durch den Spielleiter. So ein gemeinschaftliches Erlebnis kann helfen, dieses wertvolle Kulturgut unabhängig von Berufswünschen zu erhalten.

Wie sehr das Zusammenleben der Menschen von der Arbeit und dem Verhalten des einzelnen bestimmt wird, erlebten die Kinder beim Spiel um Umwelt und Müll bei der Aktion „Wer wird Müllionär?“.

Auf einer über ein Fußpedal angetriebenen Drechselbank bearbeiteten die Kinder in der Woche der Holzberufe nacheinander ein Stück frisches Grünholz. Diese mechanische Funktion wurde ein elementares Erlebnis für viele Kinder. Neben dem Märchenspiel um das „Tischlein deck dich“ erprobten sie im Musikhaus den Klang von Hölzern, Bambusrohren, Schlitztrommeln und Xylophonen. Passend war der Einsatz der neu entwickelten Drechselbank auch in der Woche der Maschinenbauer. Die Funktionen der Mechanik vollzogen die Kinder mit dem Bau des Kraftwerkes mit vielen Drehteilen nach.

Im Mittelpunkt standen das Wohl der Kinder und der gemeinsame Spaß bei erlebnisreich gestalteten Spielaktionen mit dem Ziel, den Kindern zu helfen, eigene Zukunfts-vorstellungen zu entwickeln. Ihrem Drang nach viel Bewegung entsprachen wir um die Stationen herum auf vielfache Weise. So hatten neben den Geschichtenspielern meist auch die Naturforscher und das Musikhaus eine eigene Bodenplane von 6x8m vor der Tür, auf der passende Regel-, Geschicklichkeits- oder Improvisationsspiele stattfanden. Auch an heißen Nachmittagen kamen die Kinder gern auf die Plätze, sie wussten um unsere vielgestaltigen Wasserspiele bei Hitzegraden.

Ferne Welt im bunten Zelt

So wie wir über Dinge des Alltags auf vielerlei Weise spielerisch mit den Kindern Verbindungen zur Arbeitswelt fanden, entdeckten wir ihnen globale Zusammenhänge in den luftigen und sonnengeschützten Gruppenzelten. Beim Duft exotischer Gewürze erinnerten die Kinder im indischen Zelt einander an ihre Verwendung bei speziellen Speisen. Vergleichend wurden Paare in einem Memory zugeordnet. Eine Duftspur dreier Gewürze in kleinen Säckchen gab die Orientierung im Labyrinth aus flach auf dem Boden gespannten Seilen. Mit verbundenen Augen bewegten sich die Kinder auf allen Vieren. An den Knotenkreuzungen gaben die ertasteten Säckchen die jeweilige Richtung an. Geschichten und sinnenreiche Spiele führten das Thema der frühen Handelsverbindungen über die Seidenstraße fort. Mit dem Handel beeinflussten sich die jeweiligen Kulturen vorteilhaft.

Ein gut zu vermittelndes Beispiel war die Entwicklung der Rechenmethoden. Mit Steinchen und Stöckchen bilden die Kinder überschaubar Mengen ab, ähnlich der Darstellung früher Kulturen mit Punkten und Strichen. Sie stellen einander kleine Aufgaben und erkennen bald, wie unzureichend größere Mengen leicht erfassbar dargestellt werden können. Für den komplexen Handel an der Seidenstraße erfanden die Inder deshalb das Dezimalsystem und die Schreibweise unserer heutigen Zahlen.
Eine Aktion mit Naturmaterial, solange die Kinder Spaß daran haben und eine Kette mit Bewegungsspielen folgen. Wenn irgend möglich, wurden solche Spielketten aus spezifischen Materialien der Regionen gestaltet, z.B.Bambus für Indien. Die Regenwaldindianer spielten und gestalteten mit gut biegsamen Manilaruten, die Afrikaner mit Kokosnussschalen, deren Fasern, Kieselsteinen und Blechbüchsen. Den besonderen Wert des Wassers in anderen Kulturen, vollzogen wir spielerisch mit Lehm- und Wasserlandschaften nach.

Die Vielfalt der Tierwelt gab den Kindern in allen Gruppen Gelegenheit, eigene Kenntnisse auszutauschen, Geschichten zu erzählen und in Bewegungsspielen lebendig werden zu lassen. Über Gespräche zu den Eigenarten der Tiere fanden die Kinder Zugang zu den Mythen der Kulturen und hatten viel Spaß beim szenischen Spiel von Märchen.

Kickmobil und Wochenendveranstaltungen

Mit den selbst entwickelten Großspielgeräten, montierbar gemeinsam mit großen Kindern, konnten wir in den Oster- und Herbstferien gut strukturierte Programme für jeweils eine große Zahl von Kindern machen. Auch an allen Freitagen auf dem Hohenstaufenplatz gelang mit diesen Anlagen, ergänzt mit Regelspielen und Selbstläufern, ein den Bedingungen des Platzes angemessenes und abwechslungsreiches Angebot für große Kinder und z.T. für Jugendliche.

Allen Schulen im Bezirk liegen unsere Konzepte zur Kooperation vor, auch mit dem Vorschlag, Sport- und Schulfeste mit handfesten altersgerechten Angeboten für große Schülerzahlen strukturgebend zu unterstützen. Durch den doppelten Einsatz freitags auf zwei Stadtplätzen können wir weitere Einsätze an diesem Tag nur eingeschränkt leisten. Dennoch haben wir dafür auch in diesem Jahr geeignete Lösungen gefunden.

Zahlreiche Kiezfeste haben wir wirkungsvoll unterstützt und eigene Wochenend-veranstaltungen gestaltet. Höhepunkt war das Fest zum Kinderkarneval der Kulturen im Görlitzer Park, bei dem zwölf Einsatzkräfte unsere breite Palette von Großspiel-konstruktionen betreuten.

Für den zügigen Aufbau bei allen Einsätzen ist es vorteilhaft, wesentliche Teile vormontiert einzusetzen. Herausragende Schrauben beschädigen beim Ladevorgang, trotz aller Vorsicht, allerdings die großflächigen Weichsprungmatten. Noch diesen Winter möchten wir wichtige Teile des Schwing-Parcours, der Tentakelgasse und der großen Schaukelbrücke fest verbunden neu herstellen. Die Zeit beim Laden und Bau verkürzt sich und die Transportkapazität erhöht sich.

Neue Ideen zur Bereicherung der Parcours mit besonders abenteuerlichen Elementen, wie dem Schrägkistenlauf und das Überkopfklettern sollen mit Kindern im Schülerclub diesen Winter realisiert werden.

Hilfe für Flüchtlingskinder

Während der Wintermonate besuchten wir dienstags regelmäßig die Flüchtlingsunterkunft in der Gürtelstraße. Zu den Kindern entstand bald ein vertrauensvolles Verhältnis, das sich auch ab März auf dem Traveplatz fortsetzte. Wir erlebten die fortschreitende sprachliche Entwicklung der Kinder bei der Verständigung über unsere Angebote. Die Ältesten nahmen ihre Führungsrolle ernst, wiederholten die Spielregeln und trugen auf vielfache Weise zum gelingenden Spiel bei. Waren sie zu Beginn vor allem an Spielfahrzeugen und Geräten interessiert, verlangten sie bei ihrer Ankunft auf dem Traveplatz erwartungsfroh und kategorisch den Spielbeginn der Regelspiele auf der Plane. Im Winter hatten wir mit ihnen robuste Spielgeräte für den Verbleib in der Unterkunft hergestellt. In gleicher Weise unterstützten wir das Team von Mobil im Kiez (Graefekiez) in einer Kreuzberger Unterkunft. Bei Einzeleinsätzen in anderen Unterkünften auch in den Nachbarbezirken warben wir für unsere Platzangebote. Fast auf allen Plätzen kamen Familien oder Kleingruppen zu unseren Spielaktionen. Auch während des Winters besucht eine betreute Jungengruppe unseren Schülerclub.
Eine Studentin war dienstags unsere Lotsin von und zur Gürtelstraße, sie begleitete die Kinder nicht nur, sie wurde auch zum Fan der Spielmobilarbeit. Sie entwarf und organisierte ein Fahrrad-Spielmobil für Einsätze in Flüchlingsunterkünften in Lichtenberg, gefördert von der BAG Spielmobile. Gemeinsam mit ihr entwickelten und bauten wir die passende Grundausstattung.

Schülerclub

Für viereinhalb Monate mit leicht verkürzter Arbeitszeit machen wir Neun- bis Vierzehn-jährigen offene Angebote in unserem Schülerclub in der Schreinerstr.18. Teil dieser Arbeit sind Vorbereitungen für kommende Spielaktionen. Neu eingerichtet haben wir die inzwischen besonders beliebte Schlenkerbahn. Kurz unter der Decke rollen die Kinder in der namensgebenden Bewegungsform an zwei Griffen hängend quer durch den Raum. Zwei Schienen, eigentlich für Garagentore, wurden an Leimbindern befestigt. Ebenso wie Klimmzugstange, Brettchenhangeln an der Decke und dem sechs Meter breitem Kletterbild an einer Wand bleibt der Bewegungsraum in seiner Gänze uneingeschränkt für alle Spielformen nutzbar. Auf Grund von Kooperationsvereinbarungen mit vielen Schulen besuchen auch Hortgruppen den Club. Auf dem großen Kletterbild zum Thema Tropischer Regenwald machen die Kinder zunächst ihre Entdeckungen und teilen sie einander mit,ehe die Kletterpartie an der Wand beginnt. Zwei Kinder starten links und rechts in den sparsamen Grifflöchern und versuchen aneinander vorbei zu kommen. Der Künstler Werner Großmann hat uns vor Jahren dieses eindrucksvolle Bild gemalt, mit dem das Vermitteln der Schönheit und Vielgestaltigkeit der Natur auf wunderbare Weise für Kinder möglich wird.

Kooperation mit Schulen/ Märchenspiel

Neben kurzfristigen Verabredungen mit Hortgruppen bei passendem Winterwetter auf Stadtplätzen oder Schulhöfen für Scheesenrennen oder andere Aktionen in Turnhallen, gestalten wir in zwei Schulen regelmäßig niedrigschwellig Theaterspielereien. Dabei knüpfen wir vorteilhaft an die Platzarbeit an, die Kinder finden Gefallen am kleinen Szenenspiel nach Märchen oder gemeinsam erfundenen Geschichten.

Qualitätssicherung mit der Spielebank

Die Originalität einer jeden Spielaktion, die überraschenden Elemente einer Spielfolge, werden möglich durch unsere breit strukturierte Spielesammlung. Ihre Nutzung ermöglicht Spielkompetenz. Sie mit neuen Ideen zu erweitern muss von allen Kollegen geleistet werden. Mit Kindern entwickelte Ideen sind es oft wert, sie zu notieren und einzuordnen. Querverweise bringen langfristig einen hohen „Zinsertrag“, thematische Spielketten absichtsvoll und mitreißend zu gestalten. Anknüpfend an die in Spielfolgen erreichte lockere Atmosphäre erfolgen in Spielpausen Gespräche und Betrachtungen zum eigentlichen Thema unter Beteiligung aller Kinder.
Der bundesweite Ideen-Austausch auf dem Spielmobilkongress, diesmal im bayrischen Burghausen, regt zu neuen Ansätzen an. Mitunter besuchen uns auf den Plätzen Kollegen von weither, anschaulicher kann man Arbeitsansätze nicht vermitteln. Am wichtigsten jedoch sind uns Rückmeldungen der Kinder. Der kurze Austausch am Ende eines Nachmittags ist nicht nur für uns Spielleiter gut. Sich über Erlebtes auszutauschen, die Meinung anderer wahrzunehmen hilft Kindern bei der Urteilsbildung.

Finanzen

Die Kontinuität der Arbeit wird über die bezirkliche Förderung für drei Teilzeitstellen, die Finanzierung der Betriebskosten eines Spielmobils, die Miete für den Schülerclub und grundlegendes Material gesichert. Auftretende Personallücken mussten in der Vergangenheit in größerem Umfang durch Honorarkräfte bzw. ehrenamtliche Mitarbeiter geschlossen werden. In diesem Jahr konnte mit der dritten Teilzeitstelle die Arbeit über alle Wochentage hin relativ stabil gestaltet werden. Allerdings machten freitags stetige Einsätze auf zwei Plätzen die Bindung weiterer versierter Kräfte notwendig. In einem begrenzten Zeitabschnitt machten Spenden die Einrichtung von zwei Minijobs möglich. Über diese Form leisteten wir auch zusätzliche Einsätze bei Schul- und Sportfesten, sowie bei Wochenendveranstaltungen im Bezirk. Dabei erzielte kleine Einnahmen dienen zur Finanzierung der Betriebskosten des zweiten Fahrzeugs, des Kickmobils.
In Spitzenzeiten während der Sommerferien erfolgte täglich eine zweistündige Verstärkung der Angebote durch Kollegen von Zirkus Zack über eine Projektförderung der Kulturellen Jugendbildung.

Dank an Spender

Die vielgestaltige Arbeit unseres Vereins im öffentlichen Raum gelingt auch durch einen beträchtlichen Teil ehrenamtlicher Mitarbeit. Besonderen Dank und beste Wünsche zur Genesung nach langer Krankheit sagen wir hiermit Herrn Jürgen Blumentritt. Er half uns in geduldiger Kleinarbeit, neue Spielmittel entstehen zu lassen. Auch die abendliche Unterstützung vieler Eltern beim Einpacken macht uns Mut, die Angebote täglich auch breit anzulegen.

Die Anschutz-Entertainment schuf mit ihrer Spende von 5.000 € die Grundlage für einen Plan für Sonderausgaben in diesem Jahr. Den Schwerpunkt bildete dabei die Finanzierung für die Performance von Clown Carlos, jeweils zum Abschluss unserer Spielaktionen auf den Plätzen in der Zeit ab 18.00 Uhr. So konnten wir die Spielmittel an vielen Tagen in Ruhe einsammeln und verladen, ohne sie den Kindern aus den Händen reißen zu müssen.

Die über eine Ausschreibung mit öffentlicher Bewertung mehrerer vorgeschlagener Projekte zustandegekommene Spende der Berliner Volksbank über 2.350 €, ermöglichte uns, die facettenreiche Arbeit des Jahres entspannter anzugehen. So konnten wir hochwertige Spielgeräte im Wert von 1.645 € als Ersatz für Verluste erwerben und für 555€ Material zum Bau neuer Spielmittel einsetzen. Für einen begrenzten Zeitraum wurde der Minijob für einen Langzeitarbeitslosen als technischer Helfer geschaffen. Zusätzliche Angebote wie das Rhönrad oder die Großgeräte während der Ferien wurden so möglich.

Eine besondere Überraschung war für uns die Spende einer jungen Familie aus dem Travekiez. Sie hatten sich zu ihrer Hochzeit im September von allen Gästen eine Spende für den SPIELWAGEN gewünscht. Herzlichen Dank auch für diese wunderbare Art, eine Familiengründung zu feiern. Alle Kinder im Kiez werden etwas davon haben. Die Mittel sind Basis für Extra-Ausgaben 2017. Sie dienen dem Erwerb von Material zum Bau neuer Spielgeräte, zur Ergänzung mit hochwertigen Spielmitteln und zur Finanzierung eines befristeten Minijobs in den Sommermonaten.
Herzlichen Dank für Spenden sagen wir auch dem Trägerverein der evangelischen Schule am Petersburger Platz, Frau Marianne Burkert-Eulitz, Familie Michel, Herrn Jörg Johne und Frau Maria Rohde.

Astrid Dulich (Projektleiterin) und Volker Hedemann (Vorstand)